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Friedens- und Konfliktforschung
#1
Nachdem ich nun mein halbes Leben damit zugebracht habe das Fachchinesisch der Mediziner  zu erlernen, ist für mich nun der Zeitpunkt gekommen, wo ich mich wieder auf mein eigenes Denken besinnen möchte.

Als Einstieg möchte ich hier ein Thema aus der Politikwissenschaft wählen, das mir besonders am Herzen liegt.

Friedens- und Konfliktforschung ist im Prinzip nichts anderes als die Heilkunst auf der politischen Bühne.

Was ich in der Politik als Psychologische Kriegsführung theoretisch studierte, erlebte ich in der Psychiatrie als Nahkampfsport.

Von daher passen die beiden Disziplinen dann doch ganz gut zusammen.

   
Gabriele Diana Bode, Engel der Heilung

Als Einstieg möchte ich an eine Seminararbeit anknüpfen, die ich 1991 am Seminar für Wissenschaftliche Politik an der Universität Freiburg geschrieben habe.

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte und Organisation der Friedensforschung
2.1 Der Beginn der modernen Friedensforschung
2.2 Die Friedensforschung in der Bundesrepublik
2.3 Die kritische Friedensforschung
2.4 Die Deutsche Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK)
2.5 Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
2.6 Das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH)
2.7 Die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinde (FEST)
2.8 Die Berghof-Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung
2.9 Das Forschungsinstitut für Friedenspolitik e.V., Starnberg (FF)
2.10 Friedensforschung an Hochschulen

3 Zur Theorie der Friedensforschung
3.1 Aufgaben der Friedensforschung
3.1.1 Friedensforschung innerhalb der Politikwissenschaft
3.1.2 Historische Friedensforschung
3.1.3 Ökonomische Friedensforschung
3.1.4 Psychologische Friedensforschung
3.1.5 Friedenspädagogik
3.1.6 Feministische Friedensforschung
3.1.7 Ökologische Friedensforschung
3.2 Der Friedensbegriff in der Friedensforschung
3.3 Die Wertorientierung der Friedensforschung

4 Perspektiven der Friedensforschung

1 Einleitung
Die traditionelle Sichtweise der Friedens- und Sicherheitspolitik, die der militärischen Bedrohung besondere Aufmerksamkeit zumißt und durch Begriffe wie "Gleichgewicht", "Stabilität" und "Abschreckung" gekennzeichnet ist, wird seit den 50er Jahren durch die moderne Friedens- und Konfliktforschung ergänzt, zum Teil aber auch massiv in Frage gestellt.

Als Forschung, die sich ausdrücklich am Wert des Friedens orientiert, muss die Friedens- Konfliktforschung einerseits theoretisch arbeiten, andererseits aber auch konkrete Utopien entwickeln und Wege dahin aufzeigen. Damit ist die Friedens- und Konfliktforschung eine Wissenschaft, die auf Veränderung der bestehenden Gesellschaftssysteme und internationale Strukturen hinarbeitet und auch neue Ordnungsformen sucht. Die Friedens- und Konfliktforschung befindet sich daher grundsätzlich in einem Konflikt mit den etablierten Eliten und Institutionen, die i.a. primär an der Erhaltung des jeweiligen Status quo interessiert sind.

"Jede neue Ordnung zerbricht aber bestehende Herrschaftsstrukturen und führt zu einer Neuverteilung von Macht. Sie verletzt die Interessen der Verwalter der gr0ßen Machtapparate. Militärwissenschaft steht mit den ihr vorgegebenen politischen Strukturen im Einklang; dem verdankt sie ihren unbezweifelbaren Gehalt an Realität. Die Wissenschaft vom Frieden hingegen bewegt sich in einem politischen Vakuum; kein Wunder, dass es ihr bisher nicht gelingt, in den Realitäten Fuß zu fassen."
(G. Picht, zum Begriff des Friedens. S. 24. Zit. nach: K. Koppe, Einführung in die Sicherheitspolitik)

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts scheint sich das Verhältnis der herrschenden Politik zur Friedensforschung gewandelt zu haben. Allgemein kann ein "gewachsenes Interesse an nicht militärischen, gewaltfreien Konzepten der Transformation des internationalen Systems bzw. des friedlichen Wandels in und zwischen den Staaten"
(E. Jahn, Frieden. IN: D. Nohlen, Wörterbuch Staat und Politik. S. 163) festgestellt werden. Damit erhält die Friedensforschung zum ersten Mal die Chance, dass ihre Ergebnisse und Konzepte politisch auf breiter Ebene umgesetzt werden können.

2 Geschichte und Organisation der Friedensforschung
"Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Krieg und Frieden ist wohl so alt wie die Wissenschaft überhaupt. Dennoch dauerte es bis in die 50er Jahre unseres Jahrhunderts bis mit der Friedensforschung eine wissenschaftliche Teildisziplin entstand, die sich ausschließlich mit der Erforschung des Krieges und von Konflikten sowie den Bedingungen des Friedens beschäftigt."
(E. Jahn, Frieden. in: D. Nohlen, Wörterbuch Staat und Politik. S. 164)

Vereinzelte Ansätze wurden bereits im Rahmen der bürgerlichen Friedensbewegung des 19. Jahrhunderts unternommen. 1815 wurde die erste Friedensgesellschaft von David Low Dodge in New York gegründet.

"Weitere Gesellschaften entstanden in fast allen europäischen Staaten. Sie veranstalteten seit 1843 regelmäßig internationale Friedenskongresse und gründeten 1892 das "Internationale Friedensbüro" in Bern, das in der "Union Internationale des Sociétés de la Paix" in Genf bis heute besteht. Von diesen Gesellschaften und Kongressen sind wichtige Impulse für die Haager Friedenskonferenzen (Internationaler Gerichtshof) und Genfer Konventionen ausgegangen. Sie führten zur Bildung erster wissenschaftlicher Institute, von denen einige - wie die "International Law Association" in Brüssel - noch heute tätig sind. Um die Jahrhundertwende zählte die internationale Friedensbewegung rund 400 Organisationen, darunter die von Bertha von Suttner ("Die Waffen nieder!", 1889, Friedensnobelpreis 1905) ins Leben gerufene Österreichische Friedensgesellschaft und die von Alfred Fied (Friedensnobelpreis 1911) gegründete Deutsche Friedensgesellschaft, die heute im Verband der Kriegsdienstverweigerer fortlebt." (K. Koppe, Einführung in die Sicherheitspolitik. S. 266)

Diese frühen Bemühungen für eine friedlichere Weltordnung wurden aber bis ins 20. Jahrhundert hinein von der vorherrschenden Auffassung von Krieg und Frieden zum größten Teil in den Bereich der Utopien abgedrängt. Der Krieg wurde in dieser Zeit als Naturerscheinung gesehen, den es zu nutzen galt, wenn es politisch zweckmäßig erschien, als eine "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln". Diese Haltung, die oft auch von einer religiös oder romantisch überhöhten Idealisierung des Krieges gekennzeichnet war, kommt in einem Brief des deutschen Generalstabschefs von Moltke (1800-1891) besonders deutlich zum Ausdruck:

"Der ewige Friede ist ein Traum und nicht einmal ein schöner, und der Krieg ein Glied in Gottes Weltordnung. In ihm entfalten sich die edelsten Tugenden des Menschen; Mut und Entsagung, Pflichttreue und Opferwilligkeit mit Einsetzen des Lebens. Ohne den Krieg würde die Welt im Materialismus versinken." (H. v. Moltke, Gesammelte Schriften S. 104. Zitiert nach: J. Dülffer, Internationales System. in: Lehren aus der Geschichte S.99)

2.1 Der Beginn der modernen Friedensforschung
Der Beginn des "Atomzeitalters" und die Folgen der beiden Weltkriege bildeten eine Zäsur in der Beurteilung des Krieges als Mittel zur Regelung internationaler Konflikte. Mit der Möglichkeit der Großmächte, nicht nur ihre gegenseitige, sondern auch die Vernichtung des gesamten Lebens auf der Erde herbeizuführen, war der Weltfriede zu einer zwingenden Notwendigkeit, zu einem Überlebenskriterium der Menschheit geworden.

Unter diesem Eindruck entstanden Ende der fünfziger Jahre zunächst in den USA, Kanada und Großbritannien, später auch in Skandinavien, den Niederlanden und in der Bundesrepublik Deutschland Institutionen und Gesellschaften, die den Grundstein für die moderne Friedens- und Konflktforschung legten. Wichtige Institutionen sind z.B.:
  1. das "Center for Research on Conflict Resolution" Michigan University, Ann Arbor, USA
  2. das "Canadian Peace Research Institute", Oackville, Canada
  3. das "Polemologische Institut" in Groningen, Niederlande,
  4. das "Peace Research Institute" (PRIO) in Oslo
  5. das "Stockhol International Peace Reasearch Institute" (SIPRI) in Stockholm
(Siehe K: Koppe, Einführung in die Sicherheitspolitik. S.267)

In der Bundesrepublik haben sich die folgenden Institutionen frühzeitig mit den Problemen der Friedens- und Konfliktforschung befasst:
  1. die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg
  2. die Studiengesellschaft für Friedensforschung in Münschen
(Siehe ebda.)

Die internationale Konstituierung der Friedensforschung gelang 1964 mit der Gründung der International Peace Research Association (IPRA), der heute noch wichtigsten weltweiten Dachorganisation der Friedensforscher (vgl. T. Ebert in: Handlexikon zur Politikwissenschaft S.161). "Durch den Aufbau lateinamerikanischer und asiatischer Regionalorganisationen griff die Friedensforschung Ende der 70er Jahre weit über Nordamerika, Westeuropa und Japan hinaus und erreichte im Prinzip weltweite Ausbreitung" (E. Jahn in: Wörterbuch, Staat und Politik, S. 164):

2.2 Die Friedensforschung in der Bundesrepublik Deutschland
Der Beginn der Friedensforschung in der Bundesrepublik ist eng mit der Kritik am Prinzip der Abschreckung verbunden. Hierbei lassen sich zwei Hauptpositionen unterscheiden. Die erste trat als Grundsatzkritik der Abschreckung auf (Senghaas, Krippendorf, Galtung, u.a.). Die Frage nach friedenspolitischen Alternativen wurden zwar zunächst ausgespart, unbestritten war aber die Forderung, dass diese jenseits von Abschreckung beginnen müssten (vgl. Reusch ..)

Die zweite Position (repräsentiert durch C.F. von Weizäcker, Afheldt, Sonntag u.a.) wollte die Abschreckung zwar als Notlösung für eine Übergangszeit akzeptieren, gleichzeitig wurde aber betont, dass die Zeit zur Findung alternativer Lösungen bald abgelaufen sei. Es wurde versucht Konzepte zu entwickeln, die Rüstungskontrolle mit weiterreichenden Konzepten zu verknüpfen (vgl. ebda.).

Als Reaktion der Abschreckungskritik entstand eine dritte Grundposition, die dann auch zur Grundlage der neuen Sicherheitspolitik wurde. Die Nato-Doktrin, dass die Sicherheit auf den zwei Pfeilern "Entspannung und Rüstung" beruhe, wurde beibehalten, aber man versuchte die Beziehungen zwischen Ost und West im Sinne der Kriegsvermeidung durch "Vertrauensbildende Maßnahmen" zu stabilisieren (vgl. ebda.).

Der Durchbruch zur Institutionalisierung und öffentlichen Förderung gelang der Friedensforschung in der Bundesrepublik mit dem Amtsantritt der sozialliberalen Koalition 1969. Eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele der neuen Bundesregierung, das durch wissenschaftliche Forschung abgesichert werden sollte, " war der von der veränderten internationalen Lage her notwendig gewordene Wandel hin zur neuen Ost- und Entspannungspolitik, zum 'friedlichen Wandel' und zur 'gesamteuropäischen Sicherheit'" (I. Arend, Ende der Atempause. S.Y-11 lll-19).

1968 wurde auf einer Tagung der Friedrich-Naumann-Stiftung zum Thema "Der geplante Frieden" die "Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung" (AFK) gegründet. "Die AFK, der die FEST und eine Reihe von Universitätsinstituten und sonstige Forschungseinrichtungen angehörten, sollte allgemein das Problembewusstsein für die neue Disziplin unter den Forschern und in der Öffentlichkeit wecken" (ebda. S.Y-11 lll-19).

Mit der Institutionalisierung und staatlichen Förderung der Friedensforschung war aber auch gleichzeitig eine enge Anbindung der Forschung an die politische Praxis vorgezeichnet. "Praxologie der kleinen Schritte" stellte sich als staatliche Anforderung an die beginnende Friedensforschung (ebda. S.y-12 lll-20). Sie sollte unterstützt werden, insofern "Vorhaben für die politische Tätigkeit der Bundesregierung in diesem Bereich konkreten Nutzen versprachen" (Nach K. Kaiser, Friedensforschung in der Bundesrepublik, S. 248). Eine Aufwertung des Ansatzes in der Friedensforschung, der "unter der Bedingung der Beibehaltung des militärischen Abschreckungsprinzips, sich vordringlich mit Gleichgewichtsanalysen und Rüstungskontrolle" (I. Arend, Ende der Atempause. S. Y-12 ll-20) beschäftigte, war damit unvermeidbar.

2.3 Die kritische Friedensforschung
Die Ansätze, die sich aus der "Kritik der Abschreckung" entwickelten, verliefen auch nach den ersten Organisationsschritten der Friedensforschung mit ihren politisch-wissenschaftlichen Zielvorstellungen konträr zu den in der etablierten Politik formulierten Positionen. Neben der "Kritik der Abschreckung" entwickelte die - so verstandene - "kritische Friedensforschung" auch weitergehende gesellschaftliche Vorstellungen. So sah z.B. E. Krippendorf eine notwendige Aufgabe der Friedensforschung auch darin, "legitime, d.h. nicht total zerstörerische Formen gesellschaftlich-politischer Gewaltanwendung zur Durchsetzung sozialen Wandels und sozialer Revolution zu erkunden, zu analysieren und implizit auch zu legitimieren" (E. Krippendorf, Friedensforschung. S. 22. zit. nach: AMI Nr. 4/87). Die kritische Friedensforschung wollte sich damit ausdrücklich zum "Parteigänger" der sozial und ökonomisch Unterdrückten machen, "um gegen den Widerstand der Herrschenden praktische Programme durchsetzen zu können" (I. Arend, Ende der Atempause. in: AMI Nr. 4/87 S. 21). Die Friedensforschung wurde damit zur praxisrelevanten Demokratieforschung erweitert (vgl. ebda.).

2.4 Die Deutsche Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK)
Trotz erheblicher politischer Differenzen der zu entwickelnden Friedenspolitik kam es im Herbst 1970 zu Gründung der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK), deren Aufgaben in der Satzung wie folgt umrissen wurden (§2.1):

"Aufgabe der Gesellschaft ist es, die Friedens- und Konfliktforschung zu fördern wowie zur Verbreitung des Friedensgedankens beizutragen. Die Gesellschaft entwickelt Programme zur Förderung der Friedens- und Konfliktforschung und zur Verbreitung des Friedensgedankens und unterstützt deren Durchführung durch die Bereitstellung von Mitteln" (zit. nach: DGFK, Stellungnahmen. Dez. 1981. S.7).

Um die Spaltung innerhalb der Friedensforschung im Interesse der Überwindung der die Politik vor ein ständiges Dilemma stellenden militärischen Abschreckung institutionell zu überwinden, versuchte K. Kaiser in diesem Zusammenhang mit einer neuen Standortbestimmung der Friedensforschung die divergierenden Zielvorstellungen zu bündeln: Die Friedensforschung müsse sich der "Entwicklung einer Übergangsstrategie zu einer friedlicheren Welt, bei der gleichzeitig das prekäre militärische Gleichgewicht der nuklearen Gegenwart erhalten bleibt" (K. Kaisere, Friedensforschung in der Bundesrepublik. S. 44) verschreiben.

Im Rahmen dieser Integrationsformel orientierte sich die Förderungstätigkeit der DGFK zu Beginn durchaus auch an einem weit gefassten Themenspektrum und mit einem deutlich emanzipatorischen, der kritischen Friedensforschung entlehnten Grundgedanken (I. Arend, Ende der Atempause. in: AMI Nr. 4/87. S. 23).

Seit 1973 wurden die Forschungsschwerpunkte aber dann durch eine Intervention der sozialliberalen Koalition auf den Ost-West-Konflikt und die Nord-Süd-Problematik festgelegt (vgl. ebda. S. 23). "Bundesforschungsminister Hans Matthöfer verteidigte die Schwerpunktsetzung indirekt mit dem Hinweis, die durch Wahlen legitimierten Volksvertreter hätten ein Recht auf Prioritätenfestlegung in der Grundlagenforschung. Die Friedens- und Konfliktforschung in der Bundesrepublik dürfe sich nicht in der Vielfalt verlieren und müsse stärker auf öffentlichkeitswirksame und praktische Umsetzungsmöglichkeiten bedacht sein" (ebda. S. 23).

Mitglieder der Gesellschaft waren Bund, Länder und verschiedene gesellschaftliche Gruppen. Die Richtlinien für die Förderungstätigkeit wurden von einem Kuratorium der Gesellschaft festgelegt, das aus 16 vom Bundespräsidenten berufenen Wissenschaftlern und aus 16 Vertretern der Parteien und der gesellschaftlichen Gruppen bestand. Der Einfluss des Kuratoriums blieb jedoch beschränkt, "da das eigentliche Entscheidungszentrum, die "Komission für Friedens- und Konfliktforschung" durch einen separaten Vertrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft gebunden worden war (I. Arend, Ende der Atempause, in: AMI Nr. 4/87. S.22). Die "Komission für Friedens- und Konfliktforschung" entschied über die Förderung der Forschungsvorhaben. Sie bestand aus 12 von der DFG und dem Kuratorium der DGFK bestellten Wissenschaftlern sowie zwei Vertretern der Länder und einem Vertreter des Bundes (vgl. DGFK, Stellungnahmen. Dez. 1981. S.7).

Die formale Trennung von Geldgeber und Bewilligungsinstanz wurde 1978 unter dem Druck der CDU/CSU-Opposition durch eine Änderung des Stimmrechts weitgehend aufgehoben. Die vom DGFK Kuratorium benannten Wissenschaftler konnten von da an von den staatlichen Vertretern überstimmt werden (ebda. S.23).

Mit dem sozialliberalen Entstehungs- und Verwertungszusammenhang der DGFK war bereits ihr Scheitern mit angelegt. "Für die konservative Politik musste eine bestandskritische Friedens- und Konfliktforschung eine stetige Provokation sein. Ihre bloße Existenz stellte deren a-priori Annahme eines offensichtlich nur antikommunistisch, mit militärischer Stärke zu sichernden Friedenszustandes, der mit einer unverrückbar positiv-normativen Bezugnahme auf das politische System der Bundesrepublik einher ging, in Frage" (I. Arend, Ende der Atempause. in: AMI Nr. 4/87. S.26. Vgl. auch Walter Althammer, Selbstzerstörung finanziert mit Steuergeldern, in: Informationen der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag vom 28.1.72.).

Mit der Begründung, die DGFK könne die Notwendigkeit des "politischen Pluralismus" bei der Vergabe von Förderungsmitteln nicht gewähleisten, traten nacheinander Bayern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Würtemberg aus der Gesellschaft aus (Zu der in diesem Zusammenhang feührten Diskussion vgl. z.B. H.J. Arndt, Die staatlich geförderte Friedens- und Konfliktforschung und DGFK, Stellungnahmen).

Mit dem Regierungswechsel im Herbst 1982 war die Auflösung der DGFK bereits abzusehen. Der neue Forschungsminister Riesenhuber bezeichnete "die Form und die Zielsetzung der Forderung und Friedens- und Konfliktforschung durch die DGFK für bedenklich" (Deutsche Volkszeitung, 20.10.1983. zit. nach J. Reusch, Friedensforschung in der Bundesrepublik. S.64). Vor den Leitern der bundesdeutschen Forschungsinstitute erklärte er 1983, die Bundesregierung erwarte von den Geisteswissenschaften nunmehr keine "weitere nörgelnde Zivilisationskritik" (Unsere Zeit, 20.1083. zit nach J. Reusch, Friedensforschung in der Bundesrepublik. S.64). Im Mai 1983 wurde das Ende der DGFK nach einer Stellungnahme des Wissenschaftsrates zur weiteren Förderung der Friedens- und Konfliktforschung amtlich, und die bislang zugewiesenen Mittel in Höhe von etwa 3 Millionen DM jährlich und damit die Forschungsförderung der DFG übertragen.

2.5 Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
Fortsetzung folgt...
Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.   Matth. 28, 20.


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