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Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
#1
Diesen Beitrag widme ich meinem Vater Wolfgang Otte, der 1984 bei einem Autounfall ums Leben kam. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich mich nach langen Überlegungen doch zu einem Hochschulstudium durchringen konnte. Er hinterließ mir nicht nur seine sehr umfangreiche Privatbibliothek, sondern auch den Hinweis auf den Philosphen Karl Raimund Popper. Das ist das beste, was wir im Moment haben, waren einer seiner letzten Worte, kurz vor seinem Tod.

Der Einfachheit halber gebe ich hier einen sehr guten Artikel aus der Zeit-online wieder.

P O R T R Ä T : Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
Skeptischer Weltverbesserer: Vor hundert Jahren wurde der Philosoph Karl Raimund Popper geboren
Von Richard Herzinger
25. Juli 2002, 8:00 Uhr Editiert am 23. Dezember 2013, 12:17 Uhr DIE ZEIT

Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Neben Karl Marx hat wohl kein anderer Philosoph der vergangenen zwei Jahrhunderte eine so große politische Wirkung erzielt wie Karl Raimund Popper. Während aber das Imperium, das sich auf das Marxsche Gedankensystem berief, 1989/90 unterging, sind die Ideen Poppers von ebenjener demokratischen Revolution, die es zum Einsturz brachte, eindrucksvoll bestätigt worden.

Und das, obwohl oder vielmehr: gerade weil er radikal mit der Tradition deutscher spekulativer Geschichtsphilosophie gebrochen hatte und alles andere sein wollte als ein Prophet. In seiner Schrift Das Elend des Historizismus, die 1944 erschien und deren Titel ironisch auf Marxens Pamphlet Das Elend der Philosophie anspielte, erteilte Popper dem Versuch "orakelnder Philosophen", aus der Geschichte "Gesetze" zu destillieren und daraus eine pseudowissenschaftliche Begründung für die Errichtung einer wie immer gearteten idealen Gesellschaft zu zimmern, eine scharfe Absage. Geschichte hat für Popper keinen immanenten Sinn; Träger des Fortschritts und der Verbesserung des menschlichen Lebens sind keine durch irgendein höheres Prinzip ermächtigten Kollektive, sondern ausschließlich selbstverantwortlich handelnde Subjekte, die jederzeit dem Irrtum ausgesetzt sind.

1945, noch während seiner Lehrtätigkeit in Neuseeland, erschien Poppers berühmtestes Werk: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, in dem er seinen Widerstand gegen alle Spielarten totalisierender Philosophie ideengeschichtlich untermauerte. Totalitäres Denken ist für ihn nicht erst ein Produkt des 19. oder 20. Jahrhunderts. Er spürt es bereits bei Platon auf, in dessen Konzeption eines hierarchisch gegliederten Staates er das Urmuster eines ideologischen "Aufstands gegen die Freiheit" erblickt. Weit heftiger noch als den griechischen Klassiker verdammt Popper aber Hegel, den er als philosophischen Scharlatan und intellektuellen Obskurantisten betrachtete. In Hegels "dialektischer" Methode konnte er nichts anderes erkennen als eine Unterminierung der Vernunft zum Zwecke der Apologie eines übermächtigen, autoritären Staats.
Dass er Hegel damit unzulässig verkürzte, ist Popper oft vorgehalten worden. Doch sein Angriff musste wohl so massiv ausfallen, attackierte er mit Hegel doch die philosophische Schlüsselfigur, auf die sich sowohl der rechte als auch der linke Autoritarismus beriefen. So vehement Popper den sozialistischen Kollektivismus - und jegliche egalitäre Utopie - ablehnte, so sehr verabscheute er die Vorsänger der nationalen Gemeinschaft nach der Melodie von Fichtes "geschlossenem Handelsstaat". Die Lehre von der ethnisch homogenen Nation war für ihn schlicht archaisches Hordendenken.

Doch nicht nur als politischer Philosoph, sondern auch als Wissenschaftstheoretiker hat Popper unhintergehbare Maßstäbe gesetzt. Er ging dabei von dem gleichen Kerngedanken aus wie in seinen gesellschaftstheoretischen Schriften: Geschlossene Systeme, die sich gegen Kritik immunisieren, sind zum Fortschritt unfähig, ersticken jede geistige Unabhängigkeit und Kreativität und gehen am Ende an ihrer eigenen Unbeweglichkeit zugrunde. Offene Systeme dagegen, die das Risiko einer Wiederlegung noch der scheinbar unverzichtbarsten Wahrheiten auf sich nehmen, sind nicht nur humaner, sondern erweisen sich auch als leistungsfähiger und erfolgreicher. Wissenschaftliche ebenso wie politische Systeme sind erst dann akzeptabel, wenn sie lernfähig und zur Selbstkorrektur in der Lage sind.
Erkenntnistheoretisch folgt daraus der "Fallibilismus": Das Kriterium für die Rationalität einer Theorie sei nicht ihre empirische Verifizierbarkeit, sondern, im Gegenteil, ihre Falsifizierbarkeit. Jede Theorie kann nicht mehr als einen Annäherungswert an die Wahrheit darstellen; sie bleibt nur so lange gültig, bis eine besser begründete an ihre Stelle tritt. Damit überwand er die Auffassungen des Wiener Kreises, jenes vom Positivismus Ernst Machs inspirierten Zirkels von Wissenschaftlern und Philosophen, in dem er Anfang der dreißiger Jahre erste philosophische Anerkennung erhielt. Er rebellierte namentlich gegen Wittgensteins Maxime, von den Dingen, über die sie nicht reden könne, müsse die Philosophie schweigen. Popper, der aus der Reformpädagogik zur Philosophie gestoßen war, bestand darauf, dass sich ein Denker allen Problemen menschlichen Lebens annehmen und zu ihrer praktischen Lösung beitragen müsse. Dies freilich, ohne sich über die Erfahrungswelt der so genannten einfachen Menschen zu erheben. Popper verlangte von Philosophie und Wissenschaft klares Denken und eine verständliche Sprache.

Auf der Basis dieser Einsichten hat der am 28. Juli 1902 in Wien als Spross einer wohlhabenden, liberal und laizistisch gesinnten jüdischen Familie geborene Karl Popper - seine Eltern waren bereits 1900 zum Protestantismus konvertiert - das Selbstverständnis der westlichen Demokratien auf eine neue Grundlage gestellt. Poppers Konzepte der "offenen Gesellschaft" und des "kritischen Rationalismus" verbanden den Skeptizismus der postidealistischen bürgerlichen Gesellschaft mit dem Erbe der Aufklärung und ihrer Überzeugung von der unendlichen Verbesserungsfähigkeit der menschlichen Verhältnisse. Er forderte, alle - auch die scheinbar unbezweifelbarsten wissenschaftlichen - Wahrheiten infrage zu stellen, und hielt doch - gegen alle Varianten des Relativismus - an der Annahme einer objektiven Wahrheit und der Einheit des Wissens fest. Er schlug damit nicht zuletzt eine Brücke zwischen dem angelsächsischen Empirismus und der kontinentalen Bewusstseinsphilosophie in der Tradition Kants.

Zu Weltruhm gelangte Popper in den fünfziger Jahren - als Professor an der London School of Economics. 1949 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an, 1965 wurde er in den Adelsstand erhoben. Sein Hang zur Verabsolutierung seiner Ansichten trug ihm unter Kollegen den Spitznamen "der totalitäre Liberale" ein. Hinter Popper, der 1994 in London starb, kann die liberale Gesellschaft nicht zurück. Die Suche nach einer Philosophie der Freiheit ist mit ihm aber nicht zu Ende gegangen.

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Wer an sein Selbst glaubt, kann Alles schaffen!
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#2
Ja, Popper ist einer derer, die eine Verneinung der seelischen Bedürfnisse des Menschen fordern (weil nicht rational) und damit ein steriles Menschenbild favorisieren.
Er ist bestimmt mitverantwortlich für den kommenden Niedergang, wenn die etablierte Politik, ideologisch vollkommen ausserstande dazu, die Denkmuster der herrschenden Warlords nur im Ansatz zu verstehen (weil nicht rational), resignierend das Staatswesen auf dem Silbertablett an diese übergeben werden.
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#3
Das der Rationalismus einseitig ist, ist klar.

Dennoch hat mir mein Vater damals genau den richtigen Rat mit auf den Weg gegeben!

Karl Popper war für mich im Wissenschaftsdschungel der Garant für einen gesunden Verstand!

Denn wer im Nebel der Gefühle den Verstand verliert, der gerät in die Fänge der Manipulationskünstler!

Verstand, Gefühl und Wollen müssen immer zusammen gehen!

Wenn einer den anderen unterdrückt, gibt es Probleme!

Beim DRLG habe ich gelernt vor einem Einsatz bis 10 zu zählen

und in Notfallsituationen war ich stehts darauf bedacht, dass ich immer noch exakt bis 3 zählen kann.
Das halte ich für eine Minimalanforderung, um eine lebensbedrohliche Situation unbeschadet zu überstehen.

LG Matthias
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#4
(14.08.2019, 08:33)Matthias schrieb: Das der Rationalismus einseitig ist, ist klar.

Dennoch hat mir mein Vater damals genau den richtigen Rat mit auf den Weg gegeben!

Karl Popper war für mich im Wissenschaftsdschungel der Garant für einen gesunden Verstand!

Denn wer im Nebel der Gefühle den Verstand verliert, der gerät in die Fänge der Manipulationskünstler!

Wenn es für Dich so funktioniert, okay. Zwei Dinge fallen mir auf:

1. Manipulationskünstler. Ich hab die längste Zeit meines Lebens eine völlig unsinnige und kranke Ansicht mit mir rumgeschleppt, die besagte, dass Manipulation etwas schlechtes ist und ich daher niemand manipulieren darf. Der Unsinn dabei ist, dass überall und ständig Manipulation passiert, und unser ganzes Zusammenleben darauf basiert (und anders gar nicht funktioniert). Ein Manipulationskünstler zu sein ist vielleicht sogar eine sehr gute Sache und ermöglicht einem, ein glücklicheres Leben zu führen - die Frage ist letztlich: wofür benutzt man es? Und das ist dasselbe wie mit einem Messer: damit kann man jemand umbringen, aber ist deshalb das Messer per se schlecht?
Die Frage ist dabei auch: wieviel Moral spielt mit? Idem: Manipulation ist allgegenwärtig, aber die, die in eine uns genehme Richtung zeigt, nehmen wir gar nicht erst als Manipulation wahr (sondern womöglich als "berechtigte Argumente"), während wenn sie in unerwünschte Richtung zeigt, verurteilt wird.
Und die Frage ist auch: kann man sich denn schützen? Manipulation gibt Macht über Menschen. Gewalt tut das auch. Das zweitere löst unsere Gesellschaft, indem sie Gewalt verbietet und eine Polizei etabliert. Somit können wir Gewalt aus unserem Leben ausklammern und brauchen uns nicht damit zu beschäftigen - jedenfalls solange die Gesellschaft funktioniert. Aber letzten Endes ist der, der lieber Kampfsport gelernt hat und somit Gewalt gar nicht erst fürchten braucht, besser beraten - denn der ist nicht davon abhängig, dass jemand anderes ihm das Problem vom Leib hält.
Ich denke, mit Manipulation ist es nicht anders - auch da ist der besser beraten, der von der Seite des Opfers auf die seite des (potentiellen) Täters wechselt, und sich so mehr Handlungsmöglichkeiten schafft.

2. Dein Tenor klingt mir ein bischen so, als wärst Du mit der heutigen vernunftdominierten Kultur m.o.w. einverstanden, so wie sehr viele andere es wohl auch sind - als wären unsere heutigen Errungenschaften, wenn vielleicht noch nicht das perfekte, so doch das beste praktikable von all dem was man schon ausprobiert hat.
Ich teile diese Ansicht nicht. Ich denke, das was wir hier und heute erreicht haben, ist vielleicht noch nicht die perfekte, aber schon eine sehr gute Annäherung an die Hölle auf Erden. (Und erschreckenderweise scheint das noch nichtmal irgendwie aufzufallen.)

Ich denke, das wissenschaftliche Denken fungiert für die meisten Menschen als Religionsersatz. Nachdem die technische Innovation ab etwa 1950 drastisch zugenommen hat, und gleichzeitig die Mobilität stieg, und dadurch die familiären Zusammenhalte und die Verwurzelung in Traditionen immer mehr verlorenging, und die etablierten Religionen keine Antworten hatten auf all das was neu auftauchte, hat sich die menschliche Psyche in ihrer Bedürftigkeit (die man nunmal nicht wegerklären kann - weder die Psyche noch die Bedürftigkeit) nach einem neuen System ausgetreckt, das Erklärungen liefert und den Menschen in seine Zeit einzubinden imstande ist.

Seitdem erleben wir diesen Quatsch, dass sich in den Medien zu allem und jedem, was irgendwie Thema ist, ein sog. Fachmensch äußert - und es ist genau dasselbe, als hätte sich früher ein Pfaffe dazu geäußert: das wird als nicht zu hinterfragende Autorität akzeptiert. Vor allem aber: wir selber werden dabei entmündigt. Sogar in Dingen, die gar nicht technisch sind, sondern uns selbst ganz unmittelbar betreffen -alltägliche Dinge, psychische Dinge, gesellschaftliche Dinge- gilt unsere ureigene Wahrnehmung nichts mehr, sondern es wird stattdessen irgendein bestallter Klugscheisser interviewt, der uns dann sagt, was wir gefälligst zu denken, zu empfinden, zu erleben haben. Und die Sache hat Konjunktur: es läßt sich ja kaum ein Konflikt mehr ohne ein Rudel von "Therapeuten" lösen. Wir mögen intellektuell und rational enorm viel wissen, aber wir sind praktisch nicht mehr überlebensfähig, weil wir nichtmal mehr unsere eigenen Gefühle verstehen, sondern dafür Spezialisten beauftragen müssen.
Und diese Spezialisten haben sich inzwischen gut eingerichtet und verstehen ihr Manipulationshandwerk, unter dem Deckmäntelchen des Demokratismus und der rationalen Wissenschaftlichkeit.

Endgültig und restlos aufgefallen ist mir das vor etwa zehn Jahren, als mir eine junge Dame erzählte, dass sie sich in jemand verliebt hat und daher jetzt ganz dringend zu ihrem Therapeuten muss, damit er ihr erklärt wie sie damit umgehen soll.

Ich hab an anderer Stelle dazu neulich einen kleinen Beitrag geschrieben, der sich gerade darum dreht - aus gegebenem Anlaß, allerdings Englisch. Dort machte man sich, wie es heute unter kritischen Geistern ja en vogue ist, große Sorgen über seine "Daten" und dass sie nicht in falsche Hände kommen (weil man dann ja "manipuliert" werden könnte): https://forums.freebsd.org/threads/where...ost-433678

Das Wesentliche in Kürze:
Das Primat der Vernunft bedeutet nichts anderes als eine Rechtfertigung für den Verzicht auf Ethik und menschliche Werte.
Wenn also Google sagt, man sammelt unsere Daten, um uns zu helfen, jenes Produkt zui kaufen das uns auch wirklich gefällt, dann ist das vollkommen vernünftig: wenn heute technische Mittel es ermöglichem, dem Menschen die Mühe abzunehmen, selber zu wissen was er will, dann ist es doch vollkommen vernünftig das zu tun!
Neulich bin ich in eine dieser Kundenzufriedenheitsumfragen geraten, und da wurde ich gefragt, bei welchen Online-Shops ich gern einkaufe. Und dann wurde mir ein dutzend weiterer Online-Shops präsentiert mit der Frage, warum ich nicht auch bei diesen einkaufe - und was man am "Kauf-Erlebnis" verbessern müsste, damit ich auch dort einkaufe.
Man scheint da also der Auffassung zu sein, dass das Kaufen ein Selbstzweck ist, und man sich dafür einsetzen muss, dass der Mensch die Möglichkeit erhält, bei so vielen Shops wie möglich ein tolles "Kauf-Erlebnis" zu haben. Vielleicht denkt man auch, dass Kaufen der einzig sinnvolle Lebensinhalt für einen Menschen wäre, idem: das einzige wofür er gebraucht wird.
Das ist natürlich auch vollkommen vernünftig, denn: was soll man sonst mit diesen vielen Menschen machen?

PolPot hatte noch den Aufwand, dass er ein oder zwei Millionen Brillenträger totschlagen musste, um das eigenständige Denken loszuwerden. Heute braucht man das nicht mehr. Heute hat man die Menschen dazu gebracht, freiwillig zu roboterisierten Konsumzombies zu regredieren, solange sie nur ein Smartphone haben - man braucht sich nicht mehr die Mühe machen, sie totzuschlagen - und man kann ihnen ja die demokratische Wahl lassen, ob sie bei Google oder Amazon kaufen wollen.

Man erzählt uns, der Faschismus und der Kommunismus wären ganz schreckliche menschenverachtende Irrwege (keine Frage, das sind sie), und deswegen wäre der Demokratismus und die Vernunft die einzige Option - und das ist falsch, denn diese sog. Vernunft ist um nichts weniger schrecklich: sie muss die Leute nicht totschlagen, weil die sich scheinbar freiwillig auf eine Stufe begeben noch unterhalb derer eines Tieres (denn ein Tier kennt seine Bedürfnisse) - und diesmal haben wir das Problem, dass das Spielchen gleich weltweit gespielt wird und man nirgendwohin mehr davonlaufen kann.


Zu Poppers "Falsifizierbarkeit": irgendein Esoteriker hat mal gesagt, diese Forderung klammert jegliche Erkenntnis von Wert aus. Und damit hat er recht. Ich glaube es war Nils Bohr, der gesagt hat: "Das Gegenteil einer trivialen Wahrheit ist schlichtweg falsch. Das Gegenteil einer großen Wahrheit ist ebenfalls wahr."
Eine große Wahrheit, mithin eine Erkenntnis, ist nicht falsifizierbar. (Und wenn Du an dieser Stelle erwiderst, dass damit ja dem Mißbrauch tür und tor geöffnet ist, dann antworte ich: richtig, so ist es. Genau so ist es aber auch bei allem anderen von Wert: bei jeder Droge, bei Sex, bei vielen Errungenschaften oder auch Vergnügungen. Wir müssen uns selber in den Stand versetzen, erkennen zu können, was uns gut tut.)

Und selbstverständlich gibt es einschlägige Machtstrukturen, die nichts weniger wünschen als Erkenntnis, weil sie nämlich die Kontrolle behalten wollen, und weil sie die Menschen im Zustand der Sklaverei belassen wollen: denn die Investitionen müssen sich lohnen.
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#5
Lieber Elevation Eight,

Ich sehe mich selbst nicht als Kritischen Rationalisten, von daher fühle ich mich auch in keinster Weise verpflichtet, an dieser Stelle Karl Popper zu verteidigen.

Als Mathematiker muss ich aber doch betonen, dass eine Aussage als unwahr zu gelten hat, wenn sie falsifiziert worden ist!

Das dieses Gesetz so manchem Unwahrheitsverkünder nicht schmeckt, habe ich bereits zur Kenntnis genommen, das macht die Gesetzmäßigkeiten der Mathematik aber nicht weniger wahr!

Sein Postulat, dass es dem Menschen grundsätzlich nicht möglich sei, absolute Wahrheiten zu finden, teile ich dagegen nicht. Die Frage, auf welchen Wegen diese Wahrheiten gefunden werden können, ist aber keineswegs trivial und durchaus eine lohnende Beschäftigung für eine sehr lange Meditation. Eine Wahrheit einfach nur zu glauben, ist es auf jeden Fall nicht!

Könnte man darüber nachdenken, ob man bei den großen Wahrheiten an eine Grenze stößt, die das Gebiet der Logik verlässt. Da wäre ich aber äußerst vorsichtig und sich mit dieser Frage zu befassen, würde ich auch nur jemandem empfehlen wollen, der die Gesetze der Logik zu 100% beherrscht! Wie Du schon sagst, so etwas einfach so zu postulieren und dann als Rechtfertigung für jeglichen Mist zu missbrauchen  ......

                                                                [Bild: aegypten_smilies_0013.gif]


Das wäre dann die Überleitung zum nächsten Punkt:

Was Du über Manipulation, Machtspielchen und sonstigen Unfug schreibst, zähle ich genau zu dem Kinderkram, der bereits im Thomastext beschrieben wird. Es steht dem Menschen frei, sich für die wahre Erkenntnis, oder eben Kinderspielereien zu entscheiden. Allerdings wird da auch schon darauf hingewiesen, dass die Kinder eventuell das Feld räumen müssen, wenn die Herren des Feldes kommen und was machen sie dann?

Erkenntnis bedeutet genauso wenig ein Primat des Verstandes, wie eine Primatin der Seele. Das Wunder der Menschwerdung besteht ja gerade darin, dass sich das "Göttliche Selbst" mit dem "Primat Mensch" verbindet. Da sind dann der Verstand, die Vernunft und auch die Seele zwar immer noch mit dabei, aber niemand außer dem erkannten Selbst hat noch irgendeine Befehlsgewalt. Vorher mag man eine bedeutende und vielleicht auch hochgestellte Persönlichkeit sein, wahrhaft Mensch ist man da aber noch lange nicht.

Wäre unser Verstand unser göttliches Selbst, die Computer würden uns wahrscheinlich irgendwann in Sachen Göttlichkeit übertrumpfen. Also auch diesen Glauben vertrete ich nicht! 

Liebe Grüße
Matthias
[Bild: aegypten_smilies_0014.gif]
Wer an sein Selbst glaubt, kann Alles schaffen!
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#6
(21.08.2019, 11:45)Matthias schrieb: Ich sehe mich selbst nicht als Kritischen Rationalisten, von daher fühle ich mich auch in keinster Weise verpflichtet, an dieser Stelle Karl Popper zu verteidigen.

Als Mathematiker muss ich aber doch betonen, dass eine Aussage als unwahr zu gelten hat, wenn sie falsifiziert worden ist!

Das dieses Gesetz so manchem Unwahrheitsverkünder nicht schmeckt, habe ich bereits zur Kenntnis genommen, das macht die Gesetzmäßigkeiten der Mathematik aber nicht weniger wahr!

Lieber Matthias,

innerhalb der Mathematik ist das auch völlig richtig! Was passiert aber, wenn wir aus der Mathematik herausgehen und die Gesetze der Mathematik meinetwegen auf Poesie anwenden? Das geht dann schief, denn in der Poesie sind mehrdeutige und sich widersprechende Aussagen völlig legitim und sogar ein bedeutsames Stilmittel.

Wir müssten also bei allem, was wir so betrachten, erstmal schauen womit wir es eigentlich zu tun haben. Die Mathematik tut das auch, und erklärt genau, welche Bedingungen für eine Aussage gelten. Andere tun das aber nicht.
Man könnte vielleicht sagen, die Mathematik ist eine art "geschützter Raum", in dem durch strikte und konsequente Anwendung von Disziplin das Chaos ferngehalten wird.

Die Philosophen aus der Schule Poppers wollen sich aber nicht auf die Mathematik beschränken, sondern sie beanspruchen Gültigkeit für alle Wissenschaft, oder womöglich sogar für alle Dinge des Lebens. Und sie tun das regelmäßig, ohne die genauen Bedingungen zu betrachten, und ohne zu schauen womit sie es zu tun haben.

Es gibt da zB eine Schule, die vor gut hundert Jahren entstanden ist, die sich Psychologie nennt, und die nun beansprucht, eine Wissenschaft zu sein. Der Bedingungsrahmen und die Voraussetzungen dieser Schule sind aber sehr beschränkt, denn sie betrachtet genaugenommen nur die Psychologie des bürgerlichen Mittelstandes in einer abendländischen Gesellschaft heutiger Zeit. Das freilich machen sich die Wenigsten bewusst.

In der Folgezeit sind dann eine ganze Horde sog. Sozial- und Gesellschaftslehren entstanden, die nun allesamt ebenfalls beanspruchen, Wissenschaften zu sein, Lehrstühle zu besetzen, und in den öffentlichen Einrichtungen als Autoritäten zu gelten. Deren Grundlagen und Voraussetzungen sind noch viel schlampiger angesetzt, sie sind noch mehr in kulturellen Tunnelrealitäten gefangen - aber sie wollen uns allen erzählen, wie wir zu denken haben!

Ich möchte Dir nun gern zustimmen insoweit, dass gerade die logische Betrachtung ein Werkzeug wäre, um diesen Wildwuchs einzudämmen. Man könnte zB aufzeigen, dass die psychologischen Thesen für Menschen bestimmter anderer Kulturen so nicht funktionieren und da also falsch sind. Aber wie könnte das praktisch gehen? Man kann ja eine Gesellschaft nicht auf den Experimentiertisch legen und Versuche durchführen?

Zitat:Sein Postulat, dass es dem Menschen grundsätzlich nicht möglich sei, absolute Wahrheiten zu finden, teile ich dagegen nicht. Die Frage, auf welchen Wegen diese Wahrheiten gefunden werden können, ist aber keineswegs trivial und durchaus eine lohnende Beschäftigung für eine sehr lange Meditation. Eine Wahrheit einfach nur zu glauben, ist es auf jeden Fall nicht!


Das hast Du wunderbar gesagt. Es ist nich trivial und es ist lohnend. Deswegen bin ich ja so enttäuscht und frustriert, dass nahezu unsere ganze Kultur sich auf dumme und unbefriedigende Theorien stützt und diese als Glaubenssätze annimmt - nur um dann mit den Ergebnissen unzufrieden zu sein und sich zum Ersatz auf noch unbefriedigendere Thesen zu stürzen. 

Als man in den 1960ern angefangen hat, die bisherige bürgerliche Ordnung in frage zu stellen, hat man zum Teil brilliante und weitreichende Ansätze gefunden, um die Dinge besser zu erklären. Diese Ansätze waren freilich noch lückenhaft, unausgegoren und haben sich so letztlich als nicht praxistauglich erwiesen. Das heisst aber nicht, dass sie falsch waren - vielmehr wäre es erforderlich gewesen, durch sorgfältige Betrachtung und Analyse da die -reichlich vorhandene- Spreu vom Weizen zu trennen.
Das aber ist nicht passiert, stattdessen haben die Kräfte der Dekadenz, der Besitzstandswahrung und des Weiterwurschtelns sich zu etablieren begonnen.

Zitat:Könnte man darüber nachdenken, ob man bei den großen Wahrheiten an eine Grenze stößt, die das Gebiet der Logik verlässt.


Die Sache ist die - um Logik zu betreiben, braucht es Begrifflichkeiten: wenn man sich über die verwendeten Begriffe nicht einig ist, ist kaum eine Logik anwendbar.
Nun ist es aber eine sogar recht einfache und gängige Übung in der Meditation, an einen Punkt zu gelangen, wo die Begriffe ihre Bedeutungen verlieren. Es ist ein Punkt, an dem unser semantisches Zentrum seine Arbeitsweise offenbart, und wir ansatzweise erkennen können, dass Sprache eine kulturelle Errungenschaft ist.
Ich zitiere mal Rodney Orpheus, Abrahadabra - Thelemische Magie für Anfänger, wo diese (und viele andere) Effekte verständlich beschrieben sind:
Zitat:Such Dir ein zufälliges Wort, irgendein Wort (Du kannst ein Buch benutzen - schlag es einfach irgendeiner Seite auf und nimm das erste Wort, das Dir ins Auge fällt). Fang nun an, dieses Wort zu wiederholen, zuerst laut, dann leise. Wiederhole es immer und immer wieder, ohne aufzuhören. Mach das mindestens fünfzehn Minuten. Das Wort wird anfangen für Dich ziemlich eigenartig zu werden. Während Du es weiterhin wiederholst, wird es durch verschiedene Zustände der Bedeutung (oder Un-Bedeutung) für Dich hindurchgehen. Es gibt verschiedene Theorien, warum das so ist, aber das wichtige für unsere Absicht ist, daß diese Wiederholung einen höchst interessanten Effekt auf unser Hirn hat.

Und ab diesem Punkt ist Logik, wie wir sie üblicherweise anwenden, nicht mehr sonderlich tragfähig.

Zitat:Da wäre ich aber äußerst vorsichtig und sich mit dieser Frage zu befassen, würde ich auch nur jemandem empfehlen wollen, der die Gesetze der Logik zu 100% beherrscht! Wie Du schon sagst, so etwas einfach so zu postulieren und dann als Rechtfertigung für jeglichen Mist zu missbrauchen  ......


Und da haben wir einen der Punkte, warum die Weisheitsschulen über all die Jahrhunderte geschlossene Gesellschaften waren, und recht wählerisch dahingehend, wen sie aufnehmen. Du kannst tatsächlich alles als Rechtfertigung für jeden Mist hernehmen, und es läuft hinaus auf das Bonmot "nichts ist wahr, alles ist erlaubt".
Die entscheidende Frage ist dann: welche charakterlichen Qualitäten sind erforderlich, um mit einem solchen Leitsatz angemessen umgehen zu können? Und das möchte ich da nicht auf Logik beschränken, sondern eine konsequente Arbeit der Selbsterkenntnis verlangen, der Klarheit über die eigenen Motive. Und das ist erst der Anfang.
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#7
Aegypten_smilies_0014 
Lieber Elevation eight,

Deine Argumente kann ich sehr gut verstehen. Um zu verstehen, warum ich Karl Popper immer noch glühend verteidige, muss ich Euch von der Situation der Geisteswissenschaften berichten, als ich 1985 in Freiburg mein Studium begann. Da schwebte über dem Zentralgebäude noch der Geist des alten Heideggers. In Philosophie studierte ich Nitsche, Hölderlin, Meister Eckard und die neue Philosophie der damaligen Professorin Ute Guzzoni. Heiddeger selber stand natürlich auch auf dem Plan. In der Politwissenschaft lehrte auch noch die alte Garde. Diese dachte nicht an Empirie, sondern noch voll normativ-ontologisch. Empirische Politikwissenschaft wurde uns so gut wie gar nicht beigebracht. Als Mathematiker war ich da noch am ehesten von der Philosophie eines Thomas Hobbes phasziniert.

In der Philosophie hatte ich einen Nachhilfelehrer. Dieser war so tief in diesem Denken versackt, dass es ihm nicht mehr möglich war, sich mit anderen Menschen noch vernünftig zu unterhalten. Ich war damals sein einziger Freund und Schüler. Wir trafen uns immer einmal die Woche in seiner Wohnung, wo er mir bis in die frühen Morgenstunden hinein seine Weisheiten lehrte. Er selber wurde zum Opfer seines eigenen Denkens, für mich war da in diesem Umfeld Karl Popper ganz einfach mein Seenot-Rettungsboot.

Außerdem hat Karl Popper Jüdische Wurzeln und diese Lehrer sind mir von allen ganz einfach immer noch die liebsten. Das habe ich den Nazis auch ziemlich übel genommen, dass sie unsere ganzen guten Lehrer vernichtet, oder ins Ausland vertrieben haben. Das war nach dem Tod meines Vaters auch mein größter Kummer, dass nämlich mit ihm nicht nur mein Vater, sondern auch der letzte gute Lehrer gegangen war.

Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis ich dann wieder wirklich gute Lehrer fand. Gott sei Dank ist das jetzt alles schon Geschichte und ich bin überglücklich, dass es in der Welt wieder so viele gute Lehrer gibt, die auch nicht mehr im Verborgenen arbeiten, sondern sich auch in der Öffentlichkeit zeigen.

Liebe Grüße
Matthias
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Wer an sein Selbst glaubt, kann Alles schaffen!
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#8
Zitat E.8


Und da haben wir einen der Punkte, warum die Weisheitsschulen über all die Jahrhunderte geschlossene Gesellschaften waren, und recht wählerisch dahingehend, wen sie aufnehmen. Du kannst tatsächlich alles als Rechtfertigung für jeden Mist hernehmen, und es läuft hinaus auf das Bonmot "nichts ist wahr, alles ist erlaubt".
Die entscheidende Frage ist dann: welche charakterlichen Qualitäten sind erforderlich, um mit einem solchen Leitsatz angemessen umgehen zu können? Und das möchte ich da nicht auf Logik beschränken, sondern eine konsequente Arbeit der Selbsterkenntnis verlangen, der Klarheit über die eigenen Motive. Und das ist erst der Anfang.


Das ist wirklich der Anfang!

Dieses Zitat beinhaltet alles,was ich ausdrücken will.....
Die Augen eines Wolfes öffen dir das Tor zum Ursprung,so öffne dein Herz und du wirst wissen...Erkenntnisse sind der Weg zur Weisheit...
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#9
Auch ich kann dem weiter nichts als zustimmen!

LG Matthias
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#10
Hallo lieber Matthias!

(06.09.2019, 07:24)Matthias schrieb: Deine Argumente kann ich sehr gut verstehen.

Danke. Die schwerwiegendere Frage ist freilich: sind sie auch schlüssig? (Da ich mir das alles selber zusammengereimt hab, kann ich das selber schlecht beurteilen.)

Zitat:Um zu verstehen, warum ich Karl Popper immer noch glühend verteidige, muss ich Euch von der Situation der Geisteswissenschaften berichten, als ich 1985 in Freiburg mein Studium begann. Da schwebte über dem Zentralgebäude noch der Geist des alten Heideggers. In Philosophie studierte ich Nitsche, Hölderlin, Meister Eckard und die neue Philosophie der damaligen Professorin Ute Guzzoni. Heiddeger selber stand natürlich auch auf dem Plan. In der Politwissenschaft lehrte auch noch die alte Garde. Diese dachte nicht an Empirie, sondern noch voll normativ-ontologisch. Empirische Politikwissenschaft wurde uns so gut wie gar nicht beigebracht. Als Mathematiker war ich da noch am ehesten von der Philosophie eines Thomas Hobbes phasziniert.

Und jetzt habe ich ein Problem, weil -ich bin nur ehrlich!- es mir etwas schwerfällt Dich zu verstehen. Das aber nicht um Deinetwegen. sondern weil ich mir nicht recht vorstellen kann, was einen motiviert, Philosophie als Disziplin zu studieren. Was will man dabei erzielen? (*)
Denn erst wenn ich weiß, was eigentlich das Gewünschte oder Benötigte ist, kann ich verstehen, inwiefern dieser oder jener "Zustand der Geisteswissenschaften" dafür geeignet ist oder nicht. Solange ich das nicht weiss, ist jeglicher "Zustand" so gut wie jeder andere. (Analog: solange ich keine konkrete Reparatur auszuführen habe, ist jedes Werkzeug so gut wie jedes andere.)

Zitat:In der Philosophie hatte ich einen Nachhilfelehrer. Dieser war so tief in diesem Denken versackt, dass es ihm nicht mehr möglich war, sich mit anderen Menschen noch vernünftig zu unterhalten. Ich war damals sein einziger Freund und Schüler. Wir trafen uns immer einmal die Woche in seiner Wohnung, wo er mir bis in die frühen Morgenstunden hinein seine Weisheiten lehrte. Er selber wurde zum Opfer seines eigenen Denkens, für mich war da in diesem Umfeld Karl Popper ganz einfach mein Seenot-Rettungsboot.

Das wiederum verstehe ich. Nur, sei mir bitte nicht böse -ich bin wiederum einfach ehrlich- mir scheint ein solches "Versacken" eine m.o.w. normale Folge (oder Gefahr) philosophischer Arbeit - ohne betracht dessen, in welchem Denken man da "versackt".
Das Problem scheint mir zu sein, dass in der Philosophie etwas versucht wird, nämlich mit Mitteln des Intellekts die Fragen der Existenz zu beantworten, was prinzipiell gar nicht geht - weil der Intellekt nicht der Beobachter der Existenz ist, sondern ihr unterworfen. Folglich versteigt man sich in sehr umfangreichen Gedankengebilden, ohne wirklich ans Ziel zu kommen - und darin kann man sich dann auch leicht verirren.

Um wirklich zu bedeutsamen Ergebnissen zu kommen, gäbe es andere Wege. Und dass die gangbar sind, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Die sind allerdings auch gefährlicher. (Es kommt natürlich auch darauf an, ob man wirklich Ergebnisse will, oder lediglich Bestätigung für etwas anderes sucht.)

Zitat:Außerdem hat Karl Popper Jüdische Wurzeln und diese Lehrer sind mir von allen ganz einfach immer noch die liebsten. Das habe ich den Nazis auch ziemlich übel genommen, dass sie unsere ganzen guten Lehrer vernichtet, oder ins Ausland vertrieben haben. Das war nach dem Tod meines Vaters auch mein größter Kummer, dass nämlich mit ihm nicht nur mein Vater, sondern auch der letzte gute Lehrer gegangen war.

Ich weiss nicht - für mich spielt es keine Rolle, ob ein Jude, eine Wikingerin oder ein Chinese mich etwas lehrt. Allerdings hab ich selber jüdische Wurzeln - wenngleich keinen guten Kontakt zu meinem Vater.

Zitat:Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis ich dann wieder wirklich gute Lehrer fand. Gott sei Dank ist das jetzt alles schon Geschichte und ich bin überglücklich, dass es in der Welt wieder so viele gute Lehrer gibt, die auch nicht mehr im Verborgenen arbeiten, sondern sich auch in der Öffentlichkeit zeigen.

Auch hier stellt sich mir die Frage: wozu will man Lehrer?
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die echten Ergebnisse sich genau dann einstellen, wenn man niemanden mehr hat, auf den man sich stützen könnte, wenn man ganz allein dasteht. Das ist die ultima ratio - denn erst dann nutzt man wirklich die einem zu Gebote stehenden Mittel, ohne sich auf anderes zu stützen.

Aber ja, das ist ein oft diskutiertes Thema.
In der Esoterik suchen alle nach Lehrern, diese werden teuer bezahlt und stehen hoch im Kurs. Warum das so ist, ist offensichtlich: weil dort niemand an echten Ergebnissen interessiert ist, sondern man lediglich eine Persona, eine wohlfeile Maske pflegen will.
In der rituellen Magie (und da sind wir den Weisheitsschulen schon ein bischen näher) gilt die These, dass man zwingend einen Lehrer braucht. Aber auf meine Frage, wozu eigentlich, oder was dabei das Lernziel wäre, konnte mir niemand eine Antwort geben. Letztlich heißt es dann nur, dass das Ziel Selbsterkenntnis ist - die aber kann man naturgemäß nur selbst erlangen.
In der Schule, ja, da hatte ich Lehrer. Da war ich noch jung. Die haben mir viele nützliche Dinge beigebracht, Dinge, die ich ganz praktisch im Alltag verwenden und nutzen kann. Und dann haben sie mir beigebracht, frei, frech und ungestüm zu denken (denn das war noch vor den sog. Bildungsreformen), und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Letztlich wäre mein Traum gewesen, dass man sich zusammensetzen könnte und unbefangen und ohne Vorbehalte das zusammenbringt, was man schon alles hat und weiß - etwa im Sinne von Symposien (im ganz klassischen Sinne, und selbstverständlich bei einem guten Tropfen Smile )  - und dann schaut, wie weit das schon führt. Aber das, so naheliegend es mir erscheint, schien zuviel verlangt, denn leider stehe ich immer noch alleine da. Cry

Lieben Gruß
E8

(*) Nachtrag: ich hab eben noch in dein Profil geschaut und Deinen Lebenslauf gesehen - das erklärt Deinen Hintergrund ein bischen, so gut wie ein Lebenslauf das halt erklären kann...

(07.09.2019, 16:12)phaeton schrieb: Zitat E.8


Und da haben wir einen der Punkte, warum die Weisheitsschulen über all die Jahrhunderte geschlossene Gesellschaften waren, und recht wählerisch dahingehend, wen sie aufnehmen. Du kannst tatsächlich alles als Rechtfertigung für jeden Mist hernehmen, und es läuft hinaus auf das Bonmot "nichts ist wahr, alles ist erlaubt".
Die entscheidende Frage ist dann: welche charakterlichen Qualitäten sind erforderlich, um mit einem solchen Leitsatz angemessen umgehen zu können? Und das möchte ich da nicht auf Logik beschränken, sondern eine konsequente Arbeit der Selbsterkenntnis verlangen, der Klarheit über die eigenen Motive. Und das ist erst der Anfang.


Das ist wirklich der Anfang!

Dieses Zitat beinhaltet alles,was ich ausdrücken will.....

Das freut mich, liebe Phaeton!

Nun gibt es aber diese Weisheitsschulen als geschlossene Gesellschaften so nicht mehr (und es steht ja auch zur Frage, ob, auch wenn sie wählerisch waren, ihre Wahl allzu gut war).
Und spätestens, seit LSD für die Massen zugänglich wurde und die arkanen Lehren im Black Metal besungen wurden, ist der Geist aus der Flasche, und niemand wird ihn wieder hineinkriegen.

Aber nun, wir leben in dieser Zeit - und das wird wohl seinen Grund haben. Und wäre dem nicht so, wir wären nicht die, sie wir sind. Was also machen wir damit?

Lieben Gruß
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