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Das Zeitalter der Bräuche (aus dem alten Forum von Juliane) - Druckversion

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Das Zeitalter der Bräuche (aus dem alten Forum von Juliane) - Eik - 11.02.2017

Was ist und was soll „postfaktisch“?

Erstens: es ist das „Wort des Jahres“ 2016. Ich kenne es, freilich unter anderem Namen, schon länger. Vor einigen Jahren habe ich mit viel Mühe und Anstrengung die Liebe zum Wissen und die Fähigkeit des Menschen zu wissen, hier gegen Menschen verteidigt, die Wissen nach Kräften denunzierten und verleumdeten und habe sie hier auch vertrieben, denn Spiritualität, wie wir sie hier betreiben wollten, ist nicht gleich zu setzen mit dem von diesen Leuten geliebten „Bauchgefühl“ als Wissensersatz. Diese Leute erinnerten mich heftig an Boko Haram und seinen Hass gegen alles „Gebildete“. Ich wurde für mein Eintreten für Wissen und Zivilisation übrigens hier arg gemaßregelt, das ging bis zur Schändung meiner Persönlichkeitsrechte. Das war interessant, aber wir wissen ja inzwischen, wie weit diese Fanatiker des Bauches zu gehen bereit sind: bis zu Mord und Totschlag nämlich, da ist, was mir widerfuhr, noch zu verschmerzen, zudem: so lernt man Leute kennen.... 

Aber ich mache es mir wie immer schwer. Ich will den Grund wissen, warum Menschen von gesunden Geistesgaben es plötzlich aufgeben, analytisch denken zu wollen und stattdessen ihr Augenmerk auf Gerüchte und Denunziationen legen. Wer oder was hat sie so tief verunsichert? Und ich stelle fest, ich kann es herausfinden, es ist nicht einmal schwierig. Der Grund ist Unredlichkeit auf breiter Front. Irgendwann schlägt das zurück in einem „dann eben gar nichts mehr!“, irgendwann erlahmt das Bemühen, die Wahrheit unter den Lügen heraus zu filtern und diese Leute verzichten dann auch ihrerseits auf Wahrhaftigkeit und  setzen ihre Wünsche und Befürchtungen (negative Wünsche) an die Stelle frisierter Tatsachen. Denn sie haben gesehen: es kommt ja auf Faktizität nicht an. Die andern sind ja auch nicht daran interessiert.

Dadurch, dass das Phänomen sich erklären lässt, wird es aber nicht besser. Denn diese Resignation ist schrecklich und zudem kreuzgefährlich, weil sie am Ende alle sozialen und ethischen Maßstäbe zerreißt und in absoluter Beliebigkeit des Denkens und Handelns mündet – es kommt nicht mehr darauf an, recht zu handeln, sondern nur noch darauf, dem Bauchgefühl  in seinen Handlungen und Ansichten zu entsprechen. Diese Menschen sind nur noch durch ihr Misstrauen angetrieben, dem ihre Unfähigkeit, der Wahrheit die Ehre zu geben, entspricht. Die Märchen und Legenden, die sie sich erzählen, halten sie wach, weil sie schön, schrecklich und auf jeden Fall spannender sind als die Realität. Wissen hingegen, das Verweisen auf Fakten, ist rundum verdächtig. Wer Klarheit will, ist ein Verführer und mit Verführern verfahren sie – wir haben es ja gesehen, wie: „hängt sie auf! – sperrt sie ein!“ sind ihre Schlachtrufe. Und wir anderen, die wir der Wahrheit die Ehre geben und die Tatsachen respektieren, die wir in keiner Phantasiewelt leben – wir sind die Urheber dessen, was uns hier entgegen stinkt. Wie da?
Durch Jahrzehnte haben Politiker, haben Banker und Wirtschaftler gemeint, sie könnten die Menschen, die das alles nicht sind, in Unwissenheit lassen über das, was sie mit ihnen vorhaben. Schön – aber solch ein Gespinst der Unwissenheit bekommt zwangsläufig einmal dünne Stellen und dann ist es nicht nur um das Gespinst geschehen, dann ist es auch um alle die Dinge geschehen, die durch das Gespinst geschädigt wurden. Diese Situation haben wir im Augenblick und dass auf dieser Situation nun wieder der Abschaum seine Suppen kochen will und die Menschen mit VTs überrannt werden, dass Medien mit voller Absicht in den Strudel der Unseriosität gezogen werden – wehe dem, der seine Nachrichten von YouTube bezieht, diesem Kindergarten für Erwachsene – und ausgerechnet diejenigen, die das Volk am offensichtlichsten irreführen, reden von der „Lügenpresse“ der Anderen. Nur Faktizität könnte helfen, aber wir sind ja „postfaktisch“. Was sollen wir uns mit Realitäten herumquälen, wenn wir doch unsere Ansichten haben!  Und ist es nicht wirklich so, dass die EU gescheitert ist? Nein, es ist durchaus nicht so, es ist nur so, dass eben die Postfaktischen in zwei oder drei Staaten  die politische Macht errungen haben, in Ungarn, der Tschechei. Slowenien, Polen, fällt uns etwas auf? Aller übereilt und ohne gefestigte eigene Identitäten in die EU gekommen, kein nationales Selbstbewusstsein, man hat gemeint, haben sie keines , sind sie umso bessere Europäer, falsch gedacht, müssen es gehabt haben und sie müssen es satt bekommen haben. erst dann können sie das Projekt EU begreifen. Aber selbst im aufgeklärten Deutschland sind die Großväter vom Eisernen Kreuz wieder auf dem Vormarsch und wollen uns weismachen, dass sie dasselbe wie einst die DDR – Bürgerrechtler wären. Wie postfaktisch, wie sinnlos begeisternd, Bürger, denkt nicht mehr nach, begeistert euch!